Gespräche und Geschichten rund um die Taufe


Stefanie Maaß, 27 Jahre, ist Buchhalterin/Sekretärin im Greifswalder Konsistorium. Am 5. Dezember 2010 hat sie sich in der Greifswalder Christuskirche taufen lassen.

Martin Wiesenberg sprach mit ihr:

 

 

Sie haben sich vor sieben Monaten taufen lassen – gab es einen bestimmten Auslöser dafür oder hat sich dieser Entschluss eher kontinuierlich entwickelt?

Ich glaube, das ist die Entwicklung. Seitdem ich im Konsistorium angekommen bin, habe ich eine enorme Entwicklung mitgemacht. Ich habe es als ein Zeichen gesehen. Seitdem ich hier bin, hat sich so viel zum positiven verändert. Ich habe den Eindruck, dass ich von Gott geleitet wurde, obwohl es mir schwer fällt, von Gott zu sprechen. Er ist für mich kein alter Mann, sondern ich entdecke ihn erst.

Warum haben Sie sich gerade in der Greifswalder Christuskirche taufen lassen? Haben Sie zu ihr einen besonderen Bezug?

Ursprünglich nicht. Ich wollte auf alle Fälle von einer Frau getauft werden. Dann hat sich das so ergeben dass Pfarrerin Lange mich getauft hat.

Wie haben Sie den Moment der Taufe erlebt?

Ich war sehr aufgeregt. Ich war froh, dass ich vieles in der Gemeinschaft tun konnte, wie das Gebet zum Beispiel. Ich hatte längere Zeit das Gefühl, das Wasser zu spüren.

Wenn Sie auf Ihre Taufe schauen: Welche Bedeutung hat sie mit etwas Abstand?

Es hat sich auf das Wesentliche reduziert: Ich habe eine Entscheidung getroffen, bei der ich wusste, was ich tue.

Sie haben sich als Taufspruch Jesaja 65, 1 ausgewählt: „Ich werde gesucht von denen, die nicht nach mir fragten; ich werde gefunden von denen, die mich nicht suchten; und zu den Nationen, die meinen Namen nicht anriefen, sage ich: Hier bin ich, hier bin ich!“ Warum?

Ich habe nach dem Sein gesucht und gefragt: Wo komme ich her? Wer bin ich? Wohin gehe ich? Wer steckt hinter dem „Sein“ überhaupt? Gott war der Letzte, bei dem ich gesucht habe.

Woran liegt das?

Ich habe mich immer an den Klischees orientiert und solche Fragen gestellt wie: Warum kann Gott das Leid nur zulassen? Er kann nur ein grausamer Gott sein. Auch was das Kirchenbild anbetrifft: Ich habe den Eindruck gehabt, dass die Kirche keine freie Entfaltung zulässt, Grenzen setzt und Gesetze durchdrückt. Ich konnte Gott nicht als Herrscher akzeptieren, dem ich dienen müsste. Ich brauchte eher jemanden, der für mich da ist, so wie ein Freund. Das habe ich bei Gott gefunden.

Wie haben Menschen in Ihrem Umfeld reagiert, als Sie ihnen von Ihrer Taufe erzählt haben?

Die Familie hat sich sehr gefreut. Sie hat ein Familienfest daraus gemacht, als hätte ich Geburtstag. Die anderen schienen also kirchlicher zu sein, als ich dachte, weil Glaube, Gott, Kirche nie ein Thema bei uns war. Mein Vater ist nicht getauft. Er hat sich aber gefreut, dass ich jetzt dabei bin. Bei meinen Freunden war alles mit dabei: Freude, aber auch Ablehnung, Akzeptanz und Skeptik. Die Kollegen im Konsistorium haben sich natürlich sehr gefreut und haben mir gratuliert.

Welches Bild von Gott und Kirche haben Sie jetzt?

Wenn ich die katholische Kirche sehe, finde ich die Stellvertretung Gottes durch den Papst nicht gut. Aber wenn ich Gott als Ursprung allen Seins betrachte, haben sich viele Puzzleteile zusammen gefügt, die ich gesucht habe, bis daraus ein Bild wurde. Das Bild von Gott hatte ich schon immer. Dieses Bild hat sich nur bestätigt.

Haben Sie im Vorfeld einen Glaubensgrundkurs bzw. Taufkurs besucht?

Mit Pfarrerin Lange und noch mit zwei weiteren Personen habe ich einen Kurs besucht. Es waren sehr interessante Gespräche.

Wie würden Sie Menschen, die bisher nichts mit Kirche zu tun hatten, die Taufe erklären?

Zum einen glaube ich, dass die Taufe nicht zwangsläufig nötig ist, um sich zu Gott zu bekennen. Aber die Taufe ist für mich so etwas wie ein Vertrag oder ein Bekenntnis oder auch ein Vertrauensbeweis: Ich glaube an dich, ich setze jetzt mein Vertrauen auf dich und ich weiß, dass du mich nicht enttäuschen wirst. Als reiner Vertrag hätte ich es als Zwang empfunden, aber weil ich dir, Gott, vertraue, mache ich das jetzt