Tauffeste in Loccum

Vortrag in Barth am 12.März 2011

Ein Erfahrungsbericht von Superintendentin Dr. Ingrid Goldhahn-Müller, Kirchenkreis Stolzenau-Loccum

 

 



Superintendentin Dr. Ingrid Goldhahn-Müller

Großtauffeste mit 20,30 oder gar 60 Täuflingen und 700 Gästen – wie kann so etwas gehen- und ist das überhaupt wünschenswert? Ist das noch individuell und macht es erfahrbar, dass jeder Täufling ein ganz besonderer, von Gott geliebter und bei seinem Namen gerufener Mensch ist –oder wird das zur Massenabfertigung?

 

Ich bin Superintendentin in Stolzenau-Loccum an der Weser im Landkreis Nienburg - einem der kleinen Kirchenkreise der Hannoverschen Landeskirche, knapp 30.000 Gemeindeglieder auf weiter Fläche, 15 Gemeinden, 16 Pastorinnen und Pastoren – absolut ländlich, nur Dörfer, Streusiedlungen und Flecken, keine Stadt in der Mitte. Ich freue mich, heute bei Ihrem lebendigen Workshop dabei zu sein, um Ihnen ein Projekt vorzustellen, das unsere Pfarrkonferenz seit dem Jahr 2007 gemeinsam und mit Schwung in Angriff genommen hat und was seither in Zeitschriften und auf bestpractice-Seiten im Intranet durchaus bundesweite Beachtung fand. Für manch Großtauffest, das seither gefeiert wurde, stand unser Projekt Pate, und es deutet nach den Erfahrungen der vergangenen drei Jahre viel darauf hin, dass große Tauffeste sowohl im ganz ländlichen Bereich als auch im städtischen Kontext gern angenommen werden. Entscheidend ist –und das ist mir wichtig, es an erster Stelle zu sagen- dass Tauffeste, die über die Parochialgrenzen hinausgehen, sich immer als ein zusätzliches Angebot verstehen, das die Taufpraxis in den einzelnen Gemeinden nie ersetzen darf – und dass auch ein Konsens innerhalb der Pastorenschaft eines Kirchenkreises oder einer Region wichtig ist, solch ein Fest miteinander zu gestalten.

 

Ich habe für heute früh einen kurzen Erfahrungsbericht vorbereitet, den ich in 4 Punkte gliedern möchte:

1. Warum ein Großtauffest? Die Idee

2. Die Wahl des Ortes

3.Vorbereitung und Tauftag

4. Bewertung und Ausblick.

Um Materialien, Organisatorisches, Ablauf des Gottesdienstes, Gestaltungsfragen geht es dann in der Arbeitsgruppe heute Nachmittag.

 

Zuerst: Die Idee: Die Idee zu einem großen Tauffest auf der Ebene unseres Kirchenkreises kam nach einem Blick in unsere Gemeindegliederstatistik zu Beginn des Jahres 2007. Das war ernüchternd: 562 ungetaufte Kinder im Alter zwischen wenigen Monaten bis zu zwölf Jahren. Und zwar alles Kinder, die mindestens einen Elternteil haben, der der ev. Kirche angehört (sonst könnten wir sie in unserer Datei ja gar nicht erfassen). 562 Kinder bei insgesamt 30.000 Gemeindemitgliedern – und das nicht in einer Großstadt, sondern in einem ländlichen Bereich, der für recht stabile Kirchenmitgliedschaft, lebendige Dorfgemeinden, Werte- und Traditionsbewusstsein steht. Das hat uns überrascht als Pfarrkonferenz und durchaus auch betroffen gemacht.

Die Gründe für einen ‚Taufaufschub’ waren vielfältig und bunt wie das Leben selbst, wie sich später im Gespräch mit den Eltern herausstellte:

Ein Umzug hatte den richtigen Zeitpunkt verpassen lassen. Krankheit in der Familie oder ein Todesfall hatten begonnene Planungen zunichte gemacht. Viel häufiger aber (und das müssen wir als Kirche ernst nehmen) verbindet sich für Eltern die Taufe mit einem aufwändigen Familienfest, und dafür ist die Wohnung zu klein, das Geld zu knapp – die Unsicherheit, wie man so etwas gestaltet, groß. Zahlreiche Familien auch bei uns auf dem Land sind durch Trennung oder Scheidung auseinander gegangen, manchmal bestehen längst neue Partnerschaften, und da sind Zweifel und Hemmungen, wie man solch einen Tauftag mit familiärem Beisammensein nach dem Gottesdienst angemessen begeht. Es ist inzwischen statistisch erwiesen, dass Alleinerziehende, zumeist Mütter, ihre Kinder deutlich seltener zur Taufe anmelden als Elternpaare, weil da eine große Unsicherheit ist: Stehe ich vor der Gemeinde am Taufstein mit meinem Kind allein? Andere Eltern wollten ihre Kinder im Laufe der Zeit selbst entscheiden lassen, aber jetzt mit Eintritt in den Kindergarten oder die Grundschule stellte sich die Frage nach der Religionszugehörigkeit noch einmal aktuell und neu. Den meisten Familien hatte einfach der ‚Anstoß’ zur Taufe gefehlt, und so freuten sie sich, dass wir als Kirche einladend auf sie zu kamen.

562 ungetaufte Kinder und so viele Hinderungsgründe, die sich gar nicht auf Glaubensfragen bezogen, sondern mit Trennungen, Finanznot, Raumnot, Unsicherheit und vielen praktischen Fragen zu tun hatten– rasch waren wir uns als Pfarrkonferenz einig, den Versuch zu wagen, die Eltern aller Ungetauften zwischen 1 und 12 anzuschreiben und zu einem großen Tauffest für ihre Kinder im Frühsommer einzuladen, das ein Fest mit allen Sinnen werden sollte:

-an zentralem, schönen Ort gelegen mit großzügigen Außenanlagen für viel Begegnung, Gemeinschaft und Angeboten für die Kleinen

- mit feierlichem, kindgerechtem Gottesdienst, in dem die Täuflinge und die Taufe auch thematisch richtig im Mittelpunkt stehen (in den Sonntagsgottesdiensten kommen Taufen zeitlich ja oft knapp weg, müssen auf 10min begrenzt werden, wenn sie Teil eines ‚normalen’ einstündigen Hauptgottesdienstes mit gewohnter Liturgie und Predigt sind)

- und mit richtigem Fest bei anschließender Kuchentafel, das Begegnung stiftet und die Aufnahme in die Gemeinschaft der Glaubenden erlebbar macht.

‚Mit der Taufe bleibt niemand allein, sondern bekommt viele Geschwister’, hat uns der Praktische Theologe Hans-Martin Lübking gelehrt – und solch ein Gemeinschaftserlebnis einen ganzen Nachmittag lang lässt es spüren, Teil einer großen Familie zu sein.

Bei allen drei Tauffesten, die wir bislang hatten, bestätigte es sich, dass der große gottesdienstliche Rahmen mit dem gemeinsamen Beginn für alle in der Kirche, dann den Taufen an mehreren, zumeist 8 Tauforten und der anschließenden Kaffee- und Kuchentafel den Sinn der Taufe wirklich erlebbar machte und auch den sehr unterschiedlichen familiären Situationen entgegen kam. In diesem ‚setting’ fühlte sich sowohl die allein erziehende Mutter, die mit ihrem Kind und einem Paten allein gekommen war, zuhause - als auch die komplette Familie, die mit 15 Gästen da war. Es gab auffällig viele Anmeldungen aus sozial ganz schwachen Familien und Familien, denen man es abspürte, dass sie schon sehr, sehr lange nicht mehr in einer Kirche gewesen waren - aber gerade die wollten wir ja erreichen.

 

2.Die Wahl des Ortes fiel auf das zentral in unserem Kirchenkreis gelegene, 850 Jahre alte Zisterzienserkloster Loccum - eine wunderbare Stätte für ein Großtauffest. Die würdige Stiftskirche fasst 800 Besucher und Besucherinnen, und es gibt so viele steinerne und hölzerne Zeugen darin, die vom Glauben erzählen und auch Kinder zur Stille und zur Andacht einladen und sie die Wichtigkeit und Heiligkeit der Taufe intuitiv erfassen lassen: der kunstreich gestaltete Taufstein aus dem Jahre 1600, der Marienaltar, das fünf Meter hohe Triumphkreuz. Neben dem Kirchenschiff bieten der Kreuzgang, das Refektorium, die Johanneskapelle, der Kapitelsaal, aber auch der Innenhof und das Außengelände am Brauteich geeignete Möglichkeiten Altartische mit Taufschalen aufzustellen. Und mehrere Tauforte, sind einfach unverzichtbar. Auch wenn große Taufgottesdienste ihren Beginn mit mehreren Hundert Menschen haben - das Singen, Beten, die Ansprache in großem Rahmen geschehen, so werden doch an den einzelnen Tauforten, an die die Familien nach der Predigt und dem Glaubensbekenntnis ausziehen, in der Regel nicht mehr als 6 Kinder getauft. Jeder einzelne Täufling soll bewusst im Mittelpunkt stehen und spüren, dass er ein ganz individueller, besonderer, von Gott geliebter und gesegneter Mensch ist. Mit einer Klosteranlage wie Loccum haben wir in unserem Kirchenkreis den Vorteil, dass es viel Platz drinnen und draußen gibt, und sogar Wasser. Aus einer kleinen Quelle im Klosterwald (Jakobsbrunnen) konnten wir Taufwasser schöpfen. Solch einen kurzen meditativen Gang zum Wasser boten wir für jeweils zwei oder drei Personen aus einer Tauffamilie eine gute halbe Stunde vor Beginn des Taufgottesdienstes an, und er wurde besonders gern von den etwas älteren Täuflingen ab 6 Jahren aufwärts mit ihren Paten in Anspruch genommen. Ganz feierlich und stolz kamen sie (ein Zug von gut 100 Menschen) von Posaunenmusik begleitet mit gefüllten Taufkannen an der Klosterkirche an. Wenn man so handfest mit einbezogen wird, vergisst man das sein Leben lang nicht. Das auf die Taufen folgende Kaffeetrinken war in der geräumigen angrenzenden Zehntscheune, aber auch auf dem Rasen möglich. Die das Kloster umgebenden Grünflächen und ‚Priors Garten’ boten reiche Spielmöglichkeiten für Kinder. Spiele mit dem Schwungtuch, Vorleseecken für die größeren Geschwisterkinder konnten angeboten werden, Stöbertische für die Eltern mit guten christlichen Kinderbüchern. Im Jahr 2007 tauften wir in Loccum 62 Kinder aus unserem Kirchenkreis an 8 Tauforten, im Jahr 2008 50 Kinder (der Pool der infrage Kommenden wird natürlich kleiner). Im Jahr 2009 legten wir eine Pause ein, um nun nicht jährlich an dieselben noch nicht Getauften mit Einladungsbriefen heranzutreten. Ab 2010 steht uns leider die große Klosterkirche in Loccum drei Jahre lang nicht mehr zur Verfügung, weil sie im Blick auf das große Jubiläumsjahr 2013 grundsaniert wird. So feierten wir 2010 ein kleineres Tauffest mit 15 Täuflingen in einer ‚normalen’ Kirchengemeinde mit schönem Außengelände (Schinna), und auch in diesem Mai werden wir in einer unserer Kirchengemeinden (in Steyerberg) zu Gast sein, wo die Kirche ungefähr 500 Menschen fasst – immerhin 32 Kinder sind schon angemeldet.

 

3. Vorbereitung und Tauftag. Ein Großtauffest auf der Ebene des Kirchenkreises braucht intensive Vorbereitung und ist auf kräftige Mithilfe aus den einzelnen Gemeinden angewiesen. Das lässt aber zugleich die einzelnen Gemeinden enger zusammen rücken, stärkt die Verbundenheit, bringt auch Entlastung und bietet vor allem eine kleine Kirchentagsatmosphäre, die einzelne Kirchengemeinden für sich allein und für zwei oder drei Täuflinge so nicht schaffen könnten. Praktisch sah es so aus, dass 438 Einladungsbriefe zum ersten Großtauffest im Juni 2007 Anfang März (also gut 3 Monate vorher) an alle Eltern und ihre noch nicht getauften Kinder im Alter zwischen einem und zwölf Jahren verschickt wurden. Kleinkinder unter einem Jahr bleiben bewusst unberücksichtigt, da in diesen Fällen die Taufanmeldung in der jeweiligen Heimatgemeinde noch erwartet werden kann – und natürlich soll ein Großtauffest die Taufen in den einzelnen Kirchengemeinden ja nicht ersetzen, dazu in Konkurrenz treten, sondern ein alternatives Angebot sein. Auch die über Zwölfjährigen laden wir bislang nicht ein, da an sie zeitnah die Einladung zum Konfirmandenunterricht mit Taufterminen im Laufe der zweijährigen Unterrichtszeit erfolgt. Der Einladungsbrief enthält ‚gute Gründe, getauft zu werden’, die herzliche Einladung zum Fest, eine Rückmeldekarte und die Einladung zu einem zentralen Vorbreitungstreffen auf die Taufe. 4 Wochen vor dem Tauftag treffen sich Eltern, Kinder und Paten zu einem zweieinhalb- bis dreistündigen Vorbereitungstreffen an einem Samstag Vormittag in der Taufkirche. As können je nach Anmeldung 100-140 Menschen sein. Bereits diese Vorbereitung ist ein kleines Fest. Alle Pastorinnen und Pastoren aus dem Kirchenkreis, die den Taufgottesdienst gestalten werden (meist sind das 8 taufende und zusätzlich 4 oder 5, die die Liturgie mit gestalten), stellen sich den Familien vor, erklären (z.B. mit einer Handpuppe) den Kindern spielerisch den Sinn und Ablauf der Taufe, üben die Lieder des Tauffestes ein und präsentieren im Rahmen einer Führung über das Gelände die Tauforte. Im Anschluss an den Rundgang entscheiden sich die Familien durch Eintragung in eine Liste für einen der acht Tauforte und kommen dann in Kleingruppen mit dem jeweils für diesen Taufort zuständigen Pastor oder der Pastorin zum Gespräch zusammen. In diesem Gespräch werden wie bei jedem Taufgespräch organisatorische Fragen geklärt, Anmeldungsbögen ausgefüllt, Paten benannt, Taufsprüche gewählt, Stammbücher abgegeben, die Zahl der Gäste erfragt. Wir bitten aus organisatorischen Gründen darum, dass eine Obergrenze von ca. 15 Personen pro Tauffamilie nicht überschritten wird. Da gerade bei Alleinerziehenden die Gästezahl oft deutlich kleiner ist, ist die zahlenmäßige Begrenzung bislang nie zum Problem geworden. Legt es eine besondere persönliche Situation nahe, wird ein zusätzliches Einzelgespräch zu einem anderen Zeitpunkt verabredet. Das gilt natürlich auch, wenn eine Tauffamilie beim zentralen Vorbereitungsvormittag verhindert ist. Die Begegnung in den überschaubaren Taufgruppen sichert eine persönliche Verbindung zu dem taufenden Pastor und lässt die spätere Taufhandlung trotz der großen Gottesdienstteilnehmerzahl noch individuell und persönlich sein. Viele Taufeltern schlossen sich übrigens bewusst ‚Ihrem’ Gemeindepastor an – wählten also den Taufort so, dass ihr Kind vom Ortspastor eingesegnet wurde. Auch das zeigt, dass ein Großtauffest kein Abrücken von der Parochialgemeinde bedeuten muss. Sehr kleine Kinder und Geschwisterkinder werden während des Vorbereitungsvormittags von Kindergottesdienstteams betreut, die biblische Geschichten, Spiele, Lieder und Bastelarbeiten für sie bereit halten. Anmeldeverfahren, Ausstellen der Taufurkunden, Patenbriefe und die Bestellung von Taufkerzen wurden zentral von der Superintendentur aus geleistet. Die Ephoralsekretärin wurde drei oder vier Tage für diese Aufgabe freigestellt (sie hat’s immer gern getan), und diese zentrale Bearbeitung hatte den Vorteil, dass wirklich alles ‚in einer Hand’ und am Tauftag auch wirklich ‚zur Hand’ war.

 

Für den großen Tauftag empfiehlt sich (schon allein wegen der auswärtigen Gäste) ein Sonnabend Nachmittag ab 14.30 oder 15.00 Uhr. 30 Ehrenamtliche braucht es in der Regel vor allem wegen der Kaffeetafel, aber es war nie eine Schwierigkeit, aus jeder der 15 Gemeinden zwei bis drei Menschen zum Mitmachen zu gewinnen, gerade wenn auch Täuflinge aus der eigenen Gemeinde dabei waren. Einige Teile des Taufgottesdienstes waren den Gästen jedes Mal besonders eindrücklich und wurden in den Gesprächen hinterher gern hervorgehoben:

- Das Schöpfen des Taufwassers vor dem Gottesdienst für die verschiedenen Tauforte

- Der Einsatz von Posaunenchören aus unserem Kirchenkreis, die die ankommenden Gäste vor dem Kirchenportal schon feierlich empfingen

-Kerzenträger und Wasserträger aus jeder der acht Taufgruppen, die beim festlichen Einzug zusammen mit unserer Pfarrkonferenz die Taufkerzen und die Taufkannen zum Altar brachten und damit bereits die zentralen Symbole ‚Wasser’ und ‚Licht’ in den Mittelpunkt der Betrachtung rückten

-Kindgerechte Lieder im Gottesdienst, die teilweise auch in Bewegung umgesetzt und nicht nur von der Orgel, sondern auch mit Gitarre begleitet wurden

- eine anschauliche Predigt -gern auch mit einer Handpuppe (einem Biber), den die Täuflinge schon vom Vorbereitungstreffen her kennen

-ein festlicher Auszug der Tauffamilien zu den einzelnen Tauforten mit Kerzenträgern und Wasserträgern voran - eingeleitet von ‚Deute-Worte’ zu den Taufkerzen und dem Taufwasser in den Kannen.

Der Taufgottesdienst findet sein Ende mit Vaterunser, Sendung und Segen am jeweiligen Taufort. Ein gemeinsamer Abschluss in der Stiftskirche für alle Familien, der mit erneutem Ortswechsel verbunden wäre, würde zu Wartezeiten und Unruhe führen. So kommen die Tauffamilien der einzelnen Tauforte etwas zeitversetzt an der Riesenkaffeetafel an, was die Arbeit der ‚Bewirtungsteams’ erleichtert und ein ‚Gedrängel’ erst gar nicht aufkommen lässt.

Durch den großen ehrenamtlichen Einsatz konnten wir alle drei Tauffeste kostengünstig gestalten. Jede Familie steuerte auf unsere Bitte hin gern ein oder zwei Kuchen zum großen Büffet bei. Nur als eiserne Reserve kauften wir noch Zuckerkuchen hinzu. Die Gemeinden übernahmen die Kosten für die Taufkerzen ihrer Täuflinge, die ja auch bei einer Taufe in der Gemeinde angefallen wären. Druck der Einladungsbriefe, Porto, Taufurkunden für 50 oder 60 Kinder, die Patenbriefe, Kaffee und Kaltgetränke blieben bei knapp unter 2000.-€. Diese sehr sparsame Variante setzt allerdings kräftigen ehrenamtlichen Einsatz voraus. Die Feuerwehr stellt uns umsonst Festzeltgarnituren und Tische zur Verfügung, auch Zelte, wo es nötig ist – Ehrenamtliche bringen leihweise Kaffeebecher und Besteck aus ihren Gemeinden mit, denn natürlich hat weder das Kloster noch eine Kirchengemeinde für 600 Gäste Geschirr im Schrank. Natürlich lässt sich mit größerer Finanzkraft so etwas komfortabler regeln. Unser Kirchenkreis ist ein finanziell extrem knapp ausgestatteter (weil er über kein Mittelzentrum verfügt). Andererseits hat dieses gemeinsame Ausrichten eines großen Festes unseren Zusammenhalt und die Motivation unserer Ehrenamtlichen spürbar gestärkt. Alle Helfer aus dem Jahr 2007 waren auch 2008 wieder dabei und viele haben sich schon weit im Vorfeld angeboten, auch jetzt in diesem Mai wieder mitzumachen.

 

4. Bewertung und Ausblick

Die Resonanz vor allem auf die ersten zwei sehr großen Tauffeste 2007 und 2008 in Loccum mit 60 und 50 Kindern war überwältigend. Kinder, Eltern, Paten und Gäste erlebten einen unvergesslichen Nachmittag auf dem Klostergelände (geradezu in kleiner Kirchentagsatmosphäre) und gaben ein begeistertes Feed-back. Die örtliche und überregionale Presse, aber auch das Fernsehen nahmen die Großtaufen interessiert auf. In mehreren Dankesbriefen wurde hervorgehoben, dass man es besonders eindrücklich und wohltuend empfand, wie intensiv doch die Kinder im Mittelpunkt des Taufgeschehens standen, angesprochen, vorgestellt, beim Wasser- und Kerzentragen einbezogen und mit Pauken und Trompeten empfangen wurden, während ihnen im ‚normalen’ Sonntagsgottesdienst zumeist nicht mehr als fünfzehn Minuten Zeit gewidmet werden könne und der Fest- und Gemeinschaftscharakter nicht in dieser Weise mit allen Sinnen erfahrbar werde. Mehrere Kirchenkreise unserer Hannoverschen Landeskirche nahmen das Konzept inzwischen auf und passten es ihren regionalen Gegebenheiten vor Ort an. Für sehr große Kirchenkreise mit einer Pfarrkonferenz von 30 bis 50 Amtsträgern ist sicher kein zentrales Konzept sinnvoll, hier werden regionale Tauffeste angeboten, und manchmal tun sich auch nur zwei oder drei Gemeinden zusammen.

Die Befürchtung, das Angebot einer Großtaufe hebe den Gemeindebezug auf und mache das Sakrament zum ‚Event’ bestätigte sich nicht. Im Gegenteil nahmen auch in den einzelnen Ortsgemeinden die Taufanmeldungen für die ‚normalen’ Sonntagsgottesdienste in den Wochen rund um das Tauffest deutlich zu. Die Taufe war durch das große Fest und die intensive Presseberichterstattung darüber überall neu ‚ins Gespräch gekommen’.

In der Bewertung der inzwischen drei Großtauffeste stimmt unsere Pfarrkonferenz Stolzenau-Loccum darin überein, dass solche Tauffeste eine große missionarische Chance bieten, da sie auch Menschen erreichen, die aus sehr unterschiedlichen ( meist familiären) Gründen den Schritt zur Taufanmeldung in der Heimatgemeinde sonst nicht getan hätten. Wichtig ist dennoch allen Beteiligten, den lokalen Bezug sicherzustellen und mit dem Angebot eines Großtauffestes keinen ‚Tauftourismus’ zu begründen. Nur in ganz wenigen begründeten Ausnahmen nahmen wir einige wenige Taufanmeldungen aus benachbarten Kirchenkreisen oder Landeskirchen (wir grenzen ja unmittelbar sowohl an Westfalen als auch Schaumburg-Lippe an) nach Absprache mit den jeweiligen Pfarrämtern an. Der lokale Bezug ist uns unverzichtbar, um nach der Taufe auch weiterhin für unsere Täuflinge Verantwortung übernehmen zu können. In allen Ortsgemeinden wird am Sonntag nach dem Tauffest fürbittend der jeweiligen Täuflinge gedacht. Alle Gemeinden laden ihre getauften Kinder inzwischen gezielt zum Kindergottesdienst und zu den Kindergruppen in ihren Gemeinden ein. Es gibt Taufgedächtnisgottesdienste vor Ort. Wir planen dazu aber nach großer Sanierung der Klosterkirche im Jubiläumsjahr 2013 die 2007 und 2008 in Loccum getauften 112 Kinder auch zum Taufgedächtnis ins Kloster einzuladen.

Dieses Jahr 2011 ist für uns in Stolzenau-Loccum ein Jahr des Kindes, in dem wir u.a. auch unsere Kindergottesdienste stärken und junge Ehrenamtliche für diese Arbeit gewinnen wollen. Mit der Taufe wird ein lebenslanger Weg im Glauben eröffnet. Ein Weg, der von uns als Kirche sorgfältig begleitet sein will. Da sind wir mit unserer Pfarrkonferenz noch sehr am Anfang wie das gehen kann – vor allem bei immer weniger Köpfen und immer größeren Pfarrbezirken.

Mit unseren großen Tauffesten haben wir ein kleines Projekt gesetzt, ein Konzept, das für uns passend war. Vielleicht bewährt sich bei Ihnen hier ganz anderes. Das ist ja das Verheißungsvolle und Spannende in unserer Arbeit, Neues ausprobieren zu dürfen und zu hoffen, dass Gott Segen darauf legt. Und wenn Sie der eine oder andere Gedanke zu unseren großen Tauffesten angesprochen hat – oder Sie vielleicht auch auf ganz andere Gedanken gebracht hat, dann freue ich mich.