Eine theologische Reflexion: Paulus über die Taufe (Röm 6,3-8)
Es scheint, als habe sich der Apostel Paulus die theologische Entfaltung der Taufe bis zu seinem Schreiben an die Gemeinde in Rom aufgespart. Zwar klingt das Thema auch schon in anderen Zusammenhängen gelegentlich an. Aber erst da, wo Paulus die Frage der „Rechtfertigung“ des Menschen vor Gott grundsätzlich behandelt, greift er auch das Thema Taufe um seiner selbst willen auf. Fast gewinnt man den Eindruck, dass es für ihn eine Art Probe auf das Exempel der Rechtfertigungslehre darstellt. Insofern gewinnt Röm 6,3-8 zentrale Bedeutung.
Bezeichnenderweise setzt Paulus mit einer Tauferinnerung ein: „Oder wisst ihr nicht, dass wir, die wir in Christus Jesus hineingetauft sind, in seinen Tod hinein getauft worden sind?„ Damit ist bereits das Anliegen markiert: Es geht nicht nur um mehr oder weniger verbindliche Assoziationen, sondern um eine existentielle Verwicklung in das Geschick Jesu hinein. Mit sprachlicher Penetranz hämmert Paulus seinen Adressaten diesen Sachverhalt ein: „mitbegraben/ mitgekreuzigt/mitgestorben“ sind wir – damit wir auch „mit ihm mitleben“ werden. Paulus versteht das auf eine ganz vitale Weise: so wie wir „Mitzusammengewachsene sind mit der Gleichgestalt seines Todes“ sind wir auch „Mitzusammengewachsene mit der Gleichgestalt seiner Auferstehung“. Das bedeutet etwas grundlegend anderes als die Beitrittserklärung zu einem Verein oder als die Orientierung an einem großen Vorbild. Hier geht es um eine existentielle Schicksalsgemeinschaft, um genau das, was für die vorösterlichen Nachfolgegeschichten so charakteristisch war: Preisgabe, Bruch und Neubeginn – oder nun in der Sprache des Paulus: Tod und neues Leben. Taufe konstituiert Christuszugehörigkeit, wofür Paulus andernorts dann die prägnante Formel vom „Sein in/mit Christus“ prägt.
Das ist ein hoher Anspruch an die Taufe – vor allem aber an das neue Leben der Getauften selbst, das Paulus in 2 Kor 5,17 mit keinem geringeren Ausdruck als dem einer „neuen Schöpfung“ bezeichnet. Das kann er nur sagen, weil es hier nicht um unerbittliche Forderungen oder um steile Maßstäbe geht – sondern um ein Befreiungsgeschehen, bei dem Gott selbst die Initiative bereits ergriffen hat. Was Gott in Christus getan hat, wird im Geschehen der Taufe für jeden einzelnen Menschen persönlich konkretisiert. Jeder Einzelne kommt darin vor, jede individuelle Lebensgeschichte hat darin ihren unverzichtbaren Ort.
Christuszugehörigkeit erschöpft sich jedoch nicht in der persönlichen Beziehung. Sie trägt die Gemeinschaft mit allen anderen, die ebenfalls zu Christus gehören, schon in sich. Deshalb stellt Paulus da, wo er sein großartiges Bild von der Gemeinde als dem „Leib Christi“ entwickelt (1 Kor 12,12-26), die Taufe an den Anfang: „Denn auch wir alle sind in einem Geist in einen Leib hineingetauft worden.“ Das hat weitreichende Konsequenzen. Fortan sind Schranken religiöser und sozialer Art irrelevant.
Prof. Dr. Christfried Böttrich, Greifswald
Aus: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung
Ausgabe vom 3.5.2009
