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Die Taufe Jesu. Kirche Steinhagen. Foto: Neumann
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Die Bibel im Jahr der Taufe
Texte aus dem Neuen Testament
Johannes – ein starkes Vorbild
Für Paulus ist Taufe der Punkt, an dem das „Christusereignis“ (Tod und Auferstehung) konkrete Gestalt annimmt. Bei dieser Linie sind auch die übrigen Autoren des Neuen Testaments geblieben. Sie setzen eine flächendeckend verbreitete Taufpraxis voraus. Aber sie reflektieren sie kaum. Eine „Tauflehre“ im buchstäblichen Sinn bietet das Neue Testament jedenfalls nicht. Es sind allenfalls kurze Momentaufnahmen, die uns weitere Facetten der frühchristlichen Taufe erkennen lassen.
Lukas erzählt in seiner Apostelgeschichte von verschiedenen bemerkenswerten Taufen, die sich in die Erinnerung seiner Generation eingegraben haben. Andere Autoren spielen mit Metaphern, die ein breites und beziehungsreiches Spektrum an Taufverständnissen erahnen lassen. Die Sache selbst aber bleibt unhinterfragt verbindlich für die gesamte rasant anwachsende Christenheit.
Taufe bildet sichtbar ab, was Einheit in Christus bedeutet. Es lohnt, einige dieser Mosaiksteine des frühchristlichen Taufverständnisses näher zu betrachten, um ein Gesamtbild von den Anfängen der Taufe zu gewinnen. Das soll in den kommenden Wochen anhand einiger ausgewählter Texte geschehen.
Ein starkes Vorbild: Johannes der Täufer (Mk 1,9-11): Über die Herkunft der christlichen Taufe ist viel gerätselt worden. Wie kann man erklären, dass dieses Ritual so schnelle Verbreitung findet? Gibt es Vorbilder, die seine Akzeptanz erleichtern? An Waschungsritualen besteht jedenfalls in der Umwelt der frühen Christenheit kein Mangel. Namentlich im Judentum gehören sie zum festen Bestand des religiösen Lebens. Initiationsriten wiederum, die mitunter auch Wasser verwenden, finden sich vorzugsweise im Bereich hellenistischer Mysterienfrömmigkeit. Unter allen Vorbildern aber kommt nur eines der christlichen Taufe wirklich nahe: das des Täufers Johannes.
Übereinstimmend wird die Erscheinung dieses kantigen, schroffen Gerichtspropheten von allen vier Evangelisten mit dem Beginn des öffentlichen Auftretens Jesu verbunden. Johannes praktiziert am Jordan ein Ritual, bei dem er als Täufer andere Menschen im fließenden Wasser untertaucht. Eine „Taufe der Umkehr zur Vergebung von Sünden“ nennen das die Evangelisten. Johannes richtet an seine Adressaten einen eindringlichen Appell und fordert sie zur Initiative auf. Auch die christliche Taufe hat dieses Moment der Umkehr übernommen, jedoch anders akzentuiert. Nicht mehr die vielfachen Verfehlungen des Lebens, sondern die grundsätzliche, prinzipelle Gottesferne steht jetzt im Mittelpunkt; die Initiative aber geht dabei von Gott aus, der „in Christus“ jede Form von Gottferne bereits überwunden hat.
Den stärksten Impuls hat wohl jene kleine Erzählung vermittelt, nach der Jesus selbst sich der Johannestaufe unterzieht. Für die frühe Christenheit stellt dieser Umstand zunächst ein theologisches Problem dar: Wie ist es zu verstehen, dass Jesus sich dadurch wie ein „Schüler“ dem „Lehrer“ Johannes unterstellt?
Unter den verschiedenen Antworten hat die des Matthäus besonderes Profil. Jesus lässt sich taufen, weil er „alle Gerechtigkeit erfüllen“ muß (Mt 3,15). Es ist also eine Art Solidarisierung, mit der er in das Geschick der Menschheit eintritt. Der Evangelist Johannes weiß dann sogar von einem Schülerkreis des Täufers zu berichten, aus dem einige seiner Anhänger in die Nachfolge Jesu überwechseln, als dieser Johannes am Jordan begegnet. Darin ist sicher ein Stück historischer Erinnerung aufbewahrt, das den Einfluss und das Erbe der Johannestaufe noch einmal unterstreicht.
Hat Jesus selbst getauft? In Joh 4,1-3 klingt diese Frage kurz an: Jesus selbst habe nicht getauft, sondern seine Jünger. Wer aber hat die getauft? Handeln sie als ehemalige Schüler des Täufers Johannes? Und überhaupt: Setzt die „christliche Taufe nicht eigentlich erst Tod und Auferstehung Jesu voraus? Vor Ostern jedenfalls stellt sich der Anschluß an den Prediger aus Nazaret im Geschehen der „Nachfolge“ dar.
Hat der Evangelist Johannes hier nicht sehr viel mehr die Verhältnisse seiner Zeit, lange schon nach Ostern, vor Augen? Wodurch und durch wen auch immer nach Ostern die Taufe zu jenem überall praktizierten Ritual geworden ist – das Vorbild der Johannestaufe hat dabei jedenfalls eine entscheidende Rolle gespielt.
Prof. Dr. Christfried Böttrich, Greifswald

