Taufe - Kindersegnung

Carl Beleites


Förstemannstr. 38


99734 Nordhausen


Herr Prof. Dr. Christfried Böttrich schreibt in der theologischen Reflexion zur Taufe im Blick auf Römer 6: „Es geht nicht nur um mehr oder weniger verbindliche Assoziationen, sondern um eine existentielle Verwicklung in das Geschick Jesu hinein.“

In „Zeitzeichen“ Januar 2011 lese ich auf Seite 27 in dem Artikel von Ruth Esther Gilmore: „Christ zu sein heißt, Verantwortung für seine Stadt und die Gesellschaft zu übernehmen. Folglich ist Christ zu sein, Schwerstarbeit und der Schritt des Glaubens einer der mutigsten Schritte im Leben...“

Ich meine, es ist unredlich Säuglinge eine solchen Lebensweise aufzunötigen. Der Eintritt in die Gemeinde der Christen muss ein bewusster Akt sein. Auch wenn Kinder durch die Lebensführung ihrer Eltern in die Gemeinde langsam hineinwachsen, müssen sie sich einmal entscheiden, ob sie diese Lebensweise für sich übernehmen wollen.

Das Leben Jesu war eine bewusste Abkehr von Macht und Herrschaft, von Diskriminierung . Er wandte sich den Kleinen, den religiös und politisch Verachteten in der Gesellschaft zu. Damit hat er den Zorn der Mächtigen auf sich gezogen. Diese haben ihn zum Tode am Kreuz verurteilt. Ich halte es für unbarmherzig und unverantwortlich Unmündige Menschen in diese existentielle Verwicklung in das Geschick Jesu hinein ungefragt zu bringen. Ob einer sich in diese existentielle Verwicklung in das Geschick Jesu begeben will, muss jeder selber entscheiden und verantworten können.

Der Taufe geht das Bekennen voraus. Ehrlich zu etwas kann ich mich nur bekennen, wenn ich weiß, was gemeint ist.

Ich halte es auch für unverantwortlich gegenüber der Taufe, bei der sich der Täufling zum Evangelium bekennen soll, wenn diese praktisch zur Kindersegnung herabgewürdigt wird. Und viele Menschen verstehen sie auch nur als Kindessegnung ohne wirkliche weitere Verpflichtung. Eine Kindersegnung halte ich für gut und sinnvoll für die Eltern. Aber sie darf nicht dem Eintritt in eine Gemeinschaft gleichgesetzt werden. Das gebietet die Achtung vor der Würde eines jeden Menschen.

Mit Luther bekenne ich: „Ich glaube, dass Gott mich geschaffen hat samt allen Kreaturen...“ Jeder Mensch ist eine neue Schöpfung Gottes, eine neue Hoffnung Gottes für diese Welt. Die Liebe Gottes galt mir darum schon vor meiner Geburt. Und sie gilt allen Menschen unabhängig von der Taufe. In der Taufe bekenne ich mich zu der Liebe Gottes. Die Taufe ist nicht heilsnotwendig. Zum Heil führt allein eine entsprechende Lebensweise aus der Liebe heraus.

Bei einem Hausbesuch in den 60ger Jahren in der DDR erklärte mir ein Mann, dass er keine Kirchensteuern mehr bezahlen wolle. Darauf sagte ich ihm, er müsse dann aus der Kirche austreten. Dem entgegnete er, bei seiner Taufe sei er doch nicht gefragt worden, ob er zur Kirche gehören wolle, warum solle er jetzt seinen Austritt erklären. Ich konnte ihn damals auf die Konfirmation hinweisen. Das sah er dann auch ein, wenn zu seiner Zeit die Konfirmation auch ein Gruppenzwang war.

Wir sollten uns endlich von den Dogmen der von Konstantin initiierten Staatskirche trennen. Die Lehren der Staatskirchen entsprechen nicht dem Evangelium. Sie führten zu einer Machtkirche, die Kriege rechtfertigen konnte, die anders Denkende verfolgte. Mit der Staatskirche kam die Kindertaufe auf und wurde als heilsnotwendig angesehen, denn jeder wurde in die Kirche hineingeboren. Die Erbsündenlehre des Augustin machte sie quasi notwendig. Das Heilige Römische Reich ist seit über 200 Jahren Vergangenheit. Wir sollten dieses auch in unserem theologischen Denken wahrnehmen. Es ist nötig uns auch in den Kirchen mehr auf das Evangelium als auf alte Dogmen zu besinnen und im Vertrauen auf dieses neue Wege der Barmherzigkeit und Liebe zu gehen.

In der RGG (Religion in Geschichte und Gegenwart) lese ich im Artikel zur Taufe folgende Sätze:

„Alle diese fragmentarischen Hinweise auf den Taufritus einschließlich Did 7 setzen voraus, daß nur eine Erwachsenen-T. üblich war. ....

Man muß sich damit begnügen, daß die Literatur des Urchristentums über Kinder- und Säuglings- T. schweigt und daß alle Indizien gegen eine Einführung dieser Sitte vor dem 3. Jh. sprechen. Wenn in Eph 1, 13 f. nacheinander das Hören, Glauben, Versiegeltwerden = T., die Gabe des Geistes als Angeld genannt werden (vgl. auch z. B. 2Kor 1, 19-22; Apg 2, 37 ff.; 8, 12. 35 ff.), so dürfte hier die theologische Sequenz des Urchristentums Ausdruck finden: Die T. besiegelt das immer vorangegangene Geschenk des Glaubens an Christus. Eine Kinder-T. läßt sich nicht historisch im NT verankern, sie muß theologisch »konkludiert« werden. ...

Bis um 400 herrscht Erwachsenen-T. vor, bis in die 2. Hälfte des 2. Jh.s muß sie so gut wie ausschließlich geherrscht haben. Nach Justin (apol. I, 61, 10) werden wir ohne unseren Willen geboren, aber willentlich wiedergeboren. ...“

 

Zur Taufe gehört das öffentliche Bekenntnis vor einer Gemeinde, dass man zu ihr gehören will. Damit sind Winkeltaufen oder Taufen in einem Taufzentrum fern von der Gemeinde theologisch nicht zu rechtfertigen.

Zu dem Kinderabendmahl ist zu bemerken: Kinder sitzen mit am Tisch der Familie. Aber sie bekommen nicht immer die gleichen Speisen und Getränke. Sie verstehen es durchaus, wenn sie Wein, Bier oder andere alkoholische Getränke oder bestimmte Speisen nicht bekommen, ohne sich diskriminiert zu fühlen. Sie wissen, dass sie noch nicht erwachsen sind.

 

Gedanken zu Markus 16,15f.

 

Weil dem Markusevangelium ausführliche Osterberichte fehlen, erhielt es im 2. Jahrhundert einen ergänzenden Schluss, dem unsere Verse entnommen wurden. Dem Evangelium wurde angefügt, was damals für die Gemeinde wichtig erschien. Anders als der Missionsbefehl des Matthäus lautet unser Text: „Und er (der auferweckte Christus) sprach zu ihnen (den 11 Jüngern): Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“ Im Gegensatz zu dem Missionsbefehl bei Matthäus wird hier die Taufe als Folge des Glaubens genannt: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden.“

Diese Formulierung führte wohl dazu, die Taufe als heilsnotwendig anzusehen. So kam die Sitte der Säuglingstaufe auf. Dabei wurde vergessen, dass vor der Taufe der Glaube stehen muss. Die Taufliturgien beachten dies, indem sie bei Säuglingstaufen von den Eltern und Paten das Glaubensbekenntnis und die Tauffragen an diese vor die eigentliche Taufhandlung stellen. Wenn in der Apostelgeschichte von „Haustaufen“ geschrieben wird, dann war die ganze Familie einschließlich der Dienerschaft gemeint. Der Hausvater hatte über die Religionszugehörigkeit aller derer, die von ihm abhängig waren, zu bestimmen. Noch im 16. Jahrhundert hatten sich die Untertanen eines Landesherrn nach dessen Glauben zu richten (cuius regio eius religio). Jedoch gab es schon in früher Zeit auch glaubensverschiedenen Ehen, wie wir 1. Kor. 7,10 ff entnehmen können.

Um unseren Text zu verstehen, muss auch der Zusammenhang beachtet werden. Bei der vorangestellten Kurzfassung der Osterberichte fällt mir auf, die Jünger einschließlich der Maria Magdalena, die als erste Zeugin der Auferstehung genannt wird, werden recht negativ dargestellt. Von ihr wird erwähnt, sie sei früher von sieben bösen Geistern besessen gewesen. Die Jünger glaubten ihr und auch den beiden Jüngern, die über Land gingen, nicht. Bei Lukas lesen wir es anders. Bei Markus schilt Jesus den Unglauben der Elf und ihre Herzenshärtigkeit. Dennoch werden sie gesandt, das Evangelium in aller Welt zu verkünden. Die Boten Gottes sind keine Idealtypen. Es sind schwache Menschen.

In der Fortsetzung unserer Verse, wo die Zeichen genannt werden, die den Glaubenden folgen werden, wird nur noch auf den Glauben Bezug genommen, die Taufe wird nicht mehr erwähnt.

Die Taufe hat, obwohl sie schon in den ersten Gemeinden geübt wurde, wie aus den Paulusbriefen hervorgeht, gegenüber der Glaubenshaltung kein solches Gewicht. Bei allen anderen Sendungsaufträgen im NT wird die Taufe nicht erwähnt. Der Taufbefehl bei Matthäus könnte dort auch später eingeschoben worden sein.

Da in unserem Text die Taufe als Wirkung der Verkündigung genannt wird, bleibt die Verkündigung ergebnisoffen. Wenn einer die Botschaft verinnerlicht, wird er sich taufen lassen. Wer die Botschaft nicht annimmt, wird sich nicht taufen lassen und sollte auch nicht getauft werden. Eine Taufe ohne Glauben wird auch nicht vor der Verdammung retten, denn „die nicht glauben, werden verdammt werden“. Auch in dem Gleichnis vom Weltgericht (Mat. 25, 31ff) werden die Menschen allein danach beurteilt, wie sie sich denen gegenüber verhalten haben, die am Rande der Gesellschaft leben. Die Taufe folgt dem Taufbegehren dessen, der im Evangelium die Heilsbotschaft für die Welt sieht und ihr folgen will. Sie ist ein mediales Ereignis. Man sagt zu der Botschaft ja und lässt sich taufen.

Nach unserem Spruch beauftragt der Auferstandene die Jünger, und damit ist wohl die Gemeinde gemeint, in der ganzen Welt das Evangelium aller Kreatur zu verkündigen. Das ist gegenüber Matthäus ein weiterer Unterschied. Dort galt es alle Völker zu Jüngern zu machen. Hier wird die Verkündigung auf alle Kreatur ausgedehnt, aber es bleibt offen, wieweit die Verkündigung angenommen wird. Vielleicht hatte der Verfasser schon erkannt, es werden nicht alle dem Evangelium folgen. Mit aller Kreatur sind wohl nicht nur die Menschen gemeint. Nach Römer 8, 18 ff wartet die Kreatur darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. Das gelebte Evangelium wirkt auch positiv auf die Umwelt. Die Liebe Gottes, die wir leben sollten, gilt auch seiner Schöpfung. Der Respekt vor der Schöpfung Gottes wirkt heilend auf die ganze Welt. Die Wirkung des Unglaubens, des mangelnden Vertrauens zum Evangelium spüren wir an den Schäden der Umwelt, an Wetterkatastrophen, die auf den lieblosen Raubbau an Gottes Schöpfung zurückzuführen sind.

Noch einige Gedanken zu dem Evangelium, das verkündigt werden soll: Auf der einen Seite ist das Evangelium die frohe Botschaft von der Liebe Gottes, die jedem Menschen auch den Kleinen, Schwachen und Behinderten und auch denen, die am Rande der Gesellschaft leben, gilt. Luther drückt es im Kleinen Katechismus in der Erklärung zum ersten Glaubensartikel so aus: „Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen...“ Jeder Mensch ist eine neue Schöpfung, eine neue Hoffnung Gottes für diese Welt. Jeder Mensch wirkt und verändert diese Welt in seiner Weise. Da erinnere ich mich an einen kleinen schwerstbehinderten Jungen von etwa 8 Jahren. Er konnte sich in seinem Bettchen kaum bewegen. Aber als sich die Schwester liebevoll über ihn beugte, ging ein leichtes Strahlen über sein Gesicht. Dieses Strahlen gab der Schwester neuen Mut für ihre so schwere Arbeit. Mich hat es sehr beeindruckt. Eine geistig leicht behinderte Frau lebte in meiner Gemeinde. Sie konnte aber ihr Leben gestalten. Was mir besonders imponierte, war, sie klagte nicht. Wenn ich sie nach ihrem Ergehen fragte, und ich sah, es ging ihr sehr schlecht, antwortete sie oft sehr mühsam: „Es geht schon besser!“ Die Botschaft, dass Gott einen jeden in seiner Weise liebt und braucht, sollte man bei einer Kindersegnung den Eltern und Paten ohne jegliche Verpflichtung zusprechen. Ob später dieses Kind die Botschaft hört und annimmt und dann sich taufen lässt, bleibe offen.

Zum Evangelium gehört aber auch die Lebensweise der Gewaltlosigkeit und der Achtung des anderen, die Jesus uns vorgelebt hat. Als Jesus an den Jordan zum Täufer kam, wollte nach dem Bericht des Matthäus dieser ihn nicht taufen. „ Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.“ Jesus stellt sich damit zu den Kleinen, zu denen, die von den Mächtigen der Gesellschaft missachtet werden und die vor Gott bekennen, dass sie der Liebe Gottes nicht würdig sind. Jesus stellt sich zu ihnen und erfüllt so die Gerechtigkeit für das Reich Gottes. Am Kreuz, seiner 2. Taufe (Mk.10,38), war er dann selber aus der religiösen Gemeinschaft und der politischen Gesellschaft ausgeschlossen. „Verflucht ist jeder, der am Holz hängt“ (Gal. 3,13). Mit der Taufe sollten sich die Christen auf die Seite der Schwachen, Armen und Unterdrückten stellen. Taufe bedeutet den Verzicht auf Selbstgerechtigkeit, den Stolz auf Reinheit und Frömmigkeit, denn diese sind die eigentliche Sünde, die die menschliche Gemeinschaft stört. Es gibt nichts, worauf wir uns berufen könnten. Als der heidnische Hauptmann von Kapernaum bekannte: „Herr, ich bin es nicht wert, dass du unter mein Dach gehst...“ (Mt. 8,8), sagte Jesus, solches Vertrauen hätte er in Israel noch nicht gefunden, denn dort wurden religiöse Leistungen, deren man sich rühmen konnte, erstrebt. In dem Gleichnis von den beiden Söhnen bekennt der Jüngere, der gesellschaftlich weniger als ein Schwein galt, dem Vater: „Vater ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße“ (Luk. 15, 21). Daraufhin wird er von dem Vater in das Sohnesamt eingesetzt. Oder in dem Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner bekennt der letztere: „Gott sei mir Sünder gnädig!“ und ging gerechtfertigt in sein Haus (Luk. 18,13f). Auch Paulus bekennt, dass er nicht wert sei, ein Apostel zu heißen, weil er die Gemeinde Gottes verfolgt habe (1. Kor. 15,9). Die Botschaft Jesu fordert, dass sich ein jeder von aller Selbstgerechtigkeit und von der Ausrichtung nach eigener Leistung löse. So erachtete Paulus alles das, worauf er stolz sein könnte, um Christi willen für Schaden (Phil. 3,7f). Aber als der reiche Mann, der von Jugend an alle Gebote gehalten hatte, hörte, dass er auf alles das, worauf er stolz war, und das ihm Sicherheit im Leben gab, verzichten sollte, da ging er traurig weg. Die Abkehr von den überlieferten Lebensweisen und den Lebenssicherungen ist schon eine harte Forderung, die man niemanden überstülpen darf. Es bedarf der persönlichen Entscheidung, den Weg Jesu zu wagen. Darum sollten wir in den Kirchen Kindersegnungen den Kindertaufen vorziehen.

Die griechischen Worte pistis und pisteuein, die meistens mit „Glaube“ und „glauben“ übersetzt werden, sollten wir mit „Vertrauen“ bzw. „vertrauen“ übertragen. „Glauben“, „glauben an“ wird oft statisch verstanden. Als wenn es genüge, bestimmte dogmatische Sätze für wahr zu halten. Das Vertrauen jedoch ist dynamisch zu begreifen und wird sich in unserem Handeln beweisen. So sollte nach meiner Meinung der erste Satz, den Jesus nach dem Markusevangelium (1,15) spricht: „Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ wie folgt übersetzt werden: „.......denkt um (nehmt eine andere Lebensweise an) und lebt Vertrauen im Evangelium!“ An sehr vielen Stellen wie auch hier werden pistis bzw. pisteuein mit in und dem Dativ also der Ortsangabe verbunden, was von vielen Übersetzern nicht beachtet wird. An die Galater schreibt Paulus: „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen“ Gal. 3,27. Christus bzw. das Evangelium ist das Kleid, der Ort unseres Vertrauens, das unser Leben bestimmt. Es geht in der Bibel um das Vertrauen, dass Gott auch einen ausweglos erscheinenden Weg dennoch zum guten Ausgang führen kann. So sollte nach der Überlieferung Abraham, der aus den Bereichen königlicher Machtstrukturen ausgewandert war, das Pfand der Verheißung, seinen Sohn Isaak, an Gott riskieren. So ging Jesus in einer Welt der Gewalt, Macht und Herrschaft, in der Welt der Starken den Weg in der Liebe des Schwachen und der Gewaltlosigkeit, der ihn an das Kreuz brachte.

Obwohl in den urchristlichen Gemeinden die Taufe geübt wurde, erfahren wir nur wenig über die Taufhandlung. Abgesehen von der Johannestaufe wird nur von dem Eunuchen aus Äthiopien berichtet, dass da ein Tauchbad war (Apg. 8,38f). Bei der Taufe des Cornelius wird das Wasser noch erwähnt. Aber war ein Tauchbad im Hause des Hauptmanns möglich? Und wie war das in Jerusalem am 1. Pfingsttag, als die 3.000 getauft wurden? In Ephesus war wohl das Handauflegen des Paulus entscheidend (Apg. 19,5f). Auch in unserem Text spielt die Taufe nur eine untergeordnete Rolle. In der Fortsetzung unseres Textes wird von den Zeichen geredet, die denen folgen werden, die vertrauen. Für diese ist die Taufe nicht die Bedingung.

Die Taufe wird im NT verschieden gedeutet. So wird vom Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist (Tit. 3,5) gesprochen. In der Apg. 22,14 wird zu Paulus gesagt: „Und nun, was zögerst du? Steh auf und rufe seinen Namen an und lass dich taufen und deine Sünden abwaschen!“ Den Korinthern schreibt der Apostel: „Aber ihr seid rein gewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes“(1. Kor. 6,11). Gegen solche Auffassung von der Taufe als Reinigungsbad steht 1. Petr. 3,21f „Das (die Rettung aus der Sintflut) ist ein Vorbild der Taufe, die jetzt auch euch rettet. Denn in ihr wird nicht der Schmutz vom Leib abgewaschen, sondern wir bitten Gott um ein gutes Gewissen, durch die Auferstehung Jesu Christi, ...“. Gemeint ist, mit dem Vertrauen und der Taufe sollte ein neues Leben beginnen. Mit der Taufe bitten wir und bekennen uns zu einer neuen gottgefälligen Lebensweise. Aus einem neuen Verhältnis zu Gott folgt auch neues Verhalten unseren Mitmenschen und der Kreatur gegenüber. In diesem neuen Leben haben die Diskriminierungen und Verurteilungen, die aus den Strukturen der Macht kommen, keine Gültigkeit mehr. Die, die nach jüdischer Überzeugung nicht zur Gemeinde gehören dürfen, werden in diese aufgenommen. Das gilt von dem Eunuchen aus Äthiopien, denn in Deut. 23,2 lesen wir: „Kein Entmannter oder Verschnittener soll in die Gemeinde JHWH´s kommen.“ Der Eunuch kann nach der Taufe fröhlich seine Straße ziehen, denn nun gehört er zur Gemeinde Gottes. Auch der heidnische Hauptmann Cornelius und viele andere Heiden werden aufgenommen. Harte religiöse Grenzen und Diskriminierungen werden aufgehoben. Das ist Sündenvergebung. Befreiung von den Diskriminierungen und Verurteilungen durch die oft selbstgerechte Gesellschaft. Sie ruft zu einer neuen Lebensweise, die nicht mehr in den Strukturen der Macht und des Erfolges und religiöser Herrschaft denkt und handelt. Sie löst von den Verurteilungen und Ausgrenzungen, den Diskriminierungen von Seiten der Mächtigen in Religion und Politik. Durch das Evangelium werden diese aufgehoben. Das ist die Bitte um ein gutes Gewissen. Wie schon erwähnt, werden die Jünger in den Versen vor unserem Text recht negativ geschildert. Die Jünger werden von Jesus getadelt und dennoch ausgesandt. Unwürdige werden berufen. So steht hier die Sendung an der Stelle der Taufe. Wie bei Jesus ist Taufe Zusage der Liebe Gottes zu denen, die sich unwürdig fühlen, das bedeutet zugleich ihre Berufung und Sendung, das Eintauchen in den Leib Christi, in das Evangelium. In der Erklärung zum 3. Artikel formuliert es Luther: „Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann.“ Das Himmelreich kann man sich nicht verdienen. Es ist mit ihm wohl so wie in der „Unendlichen Geschichte“ von Michael Ende das „Ohne Schlüsseltor“. Das verschließt sich jedem der hindurch will. Es öffnet sich nur dem, der nicht hindurch will. Es steht frei im Raum, man kann drum herum gehen und sieht dahinter nichts Besonderes. Aber wem es sich öffnet, der gelangt in eine neue Welt.

Unser Wort könnte man so umformulieren: „.... Wer der Botschaft vertraut und in das Evangelium, in Christus eintaucht, der wird gerettet werden.“

Carl Beleites

 

Erstellt von: Carl Beleites am 12.01.2011 15:24 Antwort
Vortrag Böttrich

Der Vortrag wird von Prof. Böttrich bearbeitet und dann hier eingestellt.

Erstellt von: Redaktion am 20.04.2009 12:57 Antwort
Vortrag Böttrich

Ich bitte sehr herzlich darum, den vorzüglichentheologischen Grundlagen-Vortrag von Prof. Böttrich auf dem Generalkonvent der PEK am 1.April 2009 in Züssow unter der Rubrik "Texte" aufzunehmen.
Vielen Dank!

Erstellt von: Jörg Moritz-Reinbach am 20.04.2009 12:47 Antwort
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