Ein ökumenisches Bekenntnis: Taufe als „Band des Friedens“ (Eph 4,1-6)
Die Taufe ist das wichtigste Band, das die vielgestaltige Christenheit zusammenhält. So gegensätzlich das Verständnis von Kirche, Amt oder Eucharistie sein mag - die Taufe wird für gewöhnlich nicht in Frage gestellt. Wer von einer Konfession in die andere wechselt, muss sich nicht noch einmal neu taufen lassen. Nur einige baptistische Gemeinschaften widersprechen diesem Konsens. Ansonsten aber stellt die Taufe eine feste Basis dar, auf der alle ökumenischen Dialoge und Begegnungen aufbauen können. Dieses kostbare Gut an Gemeinsamkeit lässt sich gar nicht hoch genug einschätzen! Auf jeden Fall tun die Kirchen gut daran, sich diese Anerkennung immer wieder einmal gegenseitig zu versichern.
Dabei ist die ökumenische Dimension der Taufe keine Erfindung des 20. Jahrhunderts auf der Suche nach Instrumentarien zur Schaffung kirchlicher Einheit. Ebensowenig ist sie das geniale Konzept der frühen Christenheit bei der Ausbildung ihrer überregionalen Strukturen. An diesem Punkt sind sich alle Autoren des Neuen Testaments einig: Die Einheit der Kirche muss nicht geschaffen, sondern bewahrt werden. Sie ist die vorgegebene Größe, in die ein jeder Mensch mit seiner Taufe eintritt, ohne sie selbst errichten oder auflösen zu können. Sie hat ihren Grund in Christus, oder genauer in der Christuszugehörigkeit der getauften Glieder, aus denen Gemeinde bzw. Kirche als „Leib Christi“ entsteht. Verdunkeln oder stören kann man diese Einheit schon, durch Spaltungen, Ausgrenzungen oder Exkommunikationen. Aber hier fragt Paulus zu Recht: „Ist Christus etwa zerteilt?“ (1 Kor 1,13) Wo Christus die einheitsstiftende Vorgabe ist, kann man einander auf der Basis der Taufe nicht mehr das Christsein absprechen.
Einer der ökumenischen Basistexte findet sich in Eph 4,1-6. Im Grunde ringt der ganze Brief um einetheologische Begründung dessen, was Kirche Jesu Christi ausmacht. Im 4. Kapitel finden diese Überlegungen ihren dichtesten Ausdruck. Der Autor setzt ein mit einer Ermahnung – nicht, um die Einheit herbeizuführen, sondern um sie zu bewahren. Dazu bedarf es einer Verhaltensweise, die sich selbst zurückzunehmen versteht und unter dem Ausdruck „Band des Friedens“ eingeführt wird.
Dann folgt eine listenartige Aufzählung jener Vorgaben, aus denen sich die Einheit der Kirche speist: „ein Leib, ein Geist, eine Hoffnung, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller“. Die Taufe ist in diese Aufzählung eingebettet und bildet sie als ihre vielleicht sichtbarste Erscheinungsweise ab.
Dennoch sind die Kirchen der Ökumene hier im Detail nach wie vor unterschiedlicher Auffassung. Wenn wir in einem „Jahr der Taufe“ neu bedenken, was dieses Sakrament für uns und unsere Tradition heute bedeutet, dann sollten wir deshalb die Erfahrungen anderer Konfessionen mit im Blick behalten. Denn jedes Bemühen um die Taufe steht unter dem Vorzeichen von Eph 4, die „Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens“, das uns auch wieder enger mit der weltweiten Christenheit verbinden kann.
Prof. Dr. Christfried Böttrich, Greifswald
Aus: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung
Ausgabe vom 7.6.2009
