Das Projekt: JAhr zur Taufe



Matthias Bartels

Das Thema, dem wir uns mit dem "JAhr zur Taufe" stellen, ist eine enorme theologische und seelsorgliche Herausforderung für uns als Kirche und Gemeinden heute. Es geht ja nicht darum, einen alten, früher volkstümlichen Brauch wieder zu beleben. Es muss uns vielmehr darum gehen, Menschen zu einer tragfähigen und belastbaren Beziehung zu Jesus Christus zu verhelfen, den Zuspruch und den Anspruch des Evangeliums mit der Biographie von Menschen zu verbinden. Deshalb lautet die wichtigste Frage: trauen wir es Gott zu, dass mit der Taufe von Kindern (und Erwachsenen!) ein Anfang gemacht wird, aus dem Glaube wachsen kann? Sind wir als Kirche, als Gemeinde, als Eltern, Paten, Älteste bereit, dieses Wachstum zu begleiten und zu fördern?

Uns ist bald klar geworden, dass diese Fragen so gewichtig sind, dass sie nicht in einem Jahr "abgearbeitet" werden können, sondern dass es längerer und begleiteter Prozesse sowohl für einzelne Personen und auch für Gemeinden und unsere Kirche als Ganze bedarf. Auch wollen wir dem Mißverständnis wehren, wir erwarteten kurzfristig nach oben schnellende Taufzahlen. Dies wäre nicht nur eine Illusion, sondern auch eine Verkürzung des Anliegens des "JAhrs zur Taufe". Es ist sehr deutlich, dass es eines langen Atems bedarf, um bei Menschen im Pommern wieder eine größere Freude und Bereitschaft, sich selbst oder die eigenen Kinder taufen zu lassen, zu wecken und dies auch verantwortet begleiten zu können.

 

Daher soll das Thema Taufe über einen längeren Zeitraum in unserer Kirche besonders in den Vordergrund gerückt werden und in der Öffentlichkeit kommuniziert werden. Zwischen 2009 und 2015 scheinen uns drei Phasen sinnvoll.

 

- Dabei gilt die erste Phase ausdrücklich dem Gespräch und der inneren Vergewisserung in unserer Kirche, in unseren Gemeinden, für jede und jeden Einzelnen: was bedeutet mir meine Taufe, warum ist sie wichtig für mein Leben? Was verstehen wir unter dem Taufgeschehen, was schenkt Gott uns in der Taufe? Welche neuen Wege wagen Menschen, die sich taufen lassen, und wie können wir sie als Gemeinde, als Paten, als Christen begleiten? Diese erste Phase, die die Jahre 2009 und 2010 umfassen wird, ist also schwerpunktmäßig dem "inneren Dialog" gewidmet; dazu gehört auch die Sichtung und Bearbeitung von Material zum Thema Taufe für Gemeinden, KITAs, Schulen oder auch diakonische Einrichtungen.

 

- Die Evangelische Kirche in Deutschland hat das Jahr 2011 zum "Jahr zur Reformation und Taufe" erklärt. Bundesweit soll in diesem Jahr mit hoher Öffentlichkeitswirksamkeit das Thema Taufe in das gesamt-gesellschaftliche Gespräch gebracht werden. Diese öffentlichen Diskurse wollen wir als zweite Phase nutzen, um auch in der pommerschen Region Taufe verstärkt auch dort ins Gespräch zu bringen, wo es im Moment (noch) kein Thema ist.

 

- Schließlich wird es in der dritten Phase zwischen 2012 und Frühjahr 2015 darum gehen, die bis dahin angeregten Gesprächs- und Entwicklungsprozesse in den pommerschen Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen, aber auch in der regionalen Öffentlichkeit zu vertiefen und fortzuführen. Hier wird der Schwerpunkt auf die Durchführung und Begleitung von Glaubenskursen, Taufseminaren sowie die Möglichkeiten der weiteren Begleitung getaufter Menschen in Gemeinden gelegt werden.